Kategorie "Entdecken", 22.11.2015 - Stefan Hollmann - This article in English language
Geändert 3.10.2016

Ein Spaziergang in Khayelitsha

Vor einigen Jahren verbrachten wir eine Nacht in Vicky's B&B in Khayelitsha, das mit etwa 1,2 Millionen Einwohnern eines der größten Townships von Cape Town ist. Am nächsten Morgen nahmen uns drei Jungs mit auf einen Rundgang durch die Nachbarschaft, denn wir wollten etwas über die Lebensbedingungen dort lernen. Und es war wirklich ein sehr lehrreicher Spaziergang...

Straße in Khayelitsha, Kapstadt

Wir hatten Vicky gefragt, ob es möglich sei, etwas mehr von Khayelitsha zu sehen, und 30 Minuten später holten uns diese drei Jungs ab. Es war Samstagvormittag, und so hatten sie schulfrei. Uns war schon etwas abenteuerlich zumute, denn normalerweise geht man als Weißer nicht zu Fuß durch ein Township. Mit unserer Begleitung war es aber überhaupt kein Problem.

Unsere drei jugendlichen Führer in Khayelitsha, Kapstadt

Wir gingen die staubigen, ungeteerten Straßen entlang, durch die kein Auto passt, vorbei an Holzhäusern und Wellblechhütten, und gelangten an einen Trinkwasserbrunnen. Viele Menschen haben kein fließend Wasser in ihrer Hütte, und so müssen sie täglich Wasser in Plastikeimern nach Hause schaffen...

Trinkwasserbrunnen in Khayelitsha, Kapstadt

Und nur wenige Häuser haben auch Toiletten, so dass viele Familien frei stehende Toilettenhäuschen nutzen müssen, die von der Regierung zur Verfügung gestellt werden. Aber diese Häuschen sind nicht öffentlich; jede Familie hat ihre eigene Toilette mit Schlüssel. Und die Grube wird regelmäßig geleert. Das sah alles sauberer aus als so einiges, was wir in China gesehen hatten...!

Toilettenhäuschen in Khayelitsha, Kapstadt

Im großen und ganzen sahen die Wege und Häuser recht sauber aus, und es lag nicht viel Müll herum. Aber es gab auch Orte wie auf dem Bild unten, die nicht so aussahen, als sei es gesund dort zu leben...

Khayelitsha, Kapstadt

Die Verfügbarkeit von elektrischem Strom schien kein Problem zu sein in Khayelitsha - überall waren Strommasten zu sehen. Die Jungs erzählten uns, dass man seinen Strom in kleinen Shops kauft. In Südafrika ist es üblich, dass Strom nach dem Prepaid-Konzept verkauft wird - wie bei Handys! Wer keinen Strom kauft, kriegt auch keinen. Unvorstellbar in Deutschland...

Kneipe in Khayelitsha, Kapstadt

Wir erreichten eine Kneipe (ein sog. "Shebeen") und wurden mit ihrem Besitzer bekannt gemacht, der uns sofort in sein Haus einlud. Von außen sah es wie ein ziemlich großes, aber normales Township-Haus aus. Umso mehr waren wir dann vom dem Komfort überrascht, der sich uns drinnen zeigte. Da waren ein großer Fernseher, feine Möbel und ein Trimmrad... Er sei Feuerwehrmann und besitze auch eine Wohnung im Stadtzentrum, erzählte uns der Kneipenbesitzer. Aber dort hatte er nicht leben wollen, es war alles viel zu anonym. Da wohnte er lieber in seiner Hütte in der Nähe seiner Familie und Freunde; er müsse seinen Wohlstand ja nicht zur Schau stellen...
Die Hütte auf dem Bild unten ist nicht das Haus. Aber wir wissen jetzt, wie nett oder sogar luxuriös es drinnen ausehen kann!

Hütte in Khayelitsha, Kapstadt

Recycling ist ein großes Thema in Kapstadt, aber die Leute in den Townships sind bereits jetzt Weltmeister darin. Das folgende Bild zeigt ein schönes Beispiel dafür, was man mit leeren Flaschen machen kann. Wir sahen auch Einmachgläser, die als Lampen verwendet wurden, und einige Leute machen wunderbare kunstfertige Sachen aus - ja, aus Abfall!

Recycling in Khayelitsha, Kapstadt

Es war ein wirklich informativer und entspannter Spaziergang in Khayelitsha, und wir erhielten einen kleinen, etwas tieferen Einblick. Als wir zu Vicky's B&B zurückkehrten, waren wir unsicher, ob die Jungs ein Trinkgeld erwarten, und wir luden sie zu einem Getränk in die "Waterfront" (dem Shebeen gegenüber) ein, aber sie lehnten ab. Sie dürften keinen Alkohol trinken, sagten sie. Dabei hatte ich eigentlich an etwas wie eine Cola gedacht...

Alles schien ganz entspannt, trotzdem ein ernst gemeinter Rat von mir: Wenn Ihr eine Tour in ein Township plant, so geht nicht allein, bucht eine organisierte Tour! Ich denke, wir hatten nicht wirklich etwas zu befürchten, als Gäste von Vicky, die einen großen Einfluss in der Community hatte. Die Tatsache, dass sie einige Jahre später selber (mutmaßlich von ihrem Ehemann) umgebracht wurde, zeigt eindrücklich, wie gegenwärtig Gewalt in einem Township leider ist... Die Kenntnis von ihrem Tod hat uns sehr betroffen gemacht.

Seid also vorsichtig! Um Euch zu informieren, geht am besten in eines der Visitor Information Offices von Cape Town Tourism.

Aber vielleicht habt Ihr schon eigene Erfahrungen in einem Township oder auf einer Tour gemacht?